Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft

Aktuell werden Verbraucher in Deutschland mit fragwürdigen Meldungen zu dem seit 40 Jahren in Deutschland zugelassenen Wirkstoff Glyphosat verunsichert, der in der Landwirtschaft zum Beispiel zur Bekämpfung von Unkräutern eingesetzt. Glyphosat ist einer der am intensivsten untersuchten Wirkstoffe weltweit. Das wohl bekannteste glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel ist „Roundup“.

Anlass war die Einstufung von Glyphosat als wahrscheinlich krebserzeugend durch die „Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC)“, einer Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese Bewertung ist wissenschaftlich umstritten – auch innerhalb der WHO selbst.

Den Hinweisen des IARC sind die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und weitere Fachleute aus den europäischen Mitgliedstaaten nachgegangen, und haben am 12. November 2015  ihre Ergebnisse in einem umfassenden Bericht vorgestellt. Danach sind „beim Menschen bei einer sachgerechten Anwendung in der Landwirtschaft keine krebserzeugenden, erbgutverändernden oder entwicklungsschädigenden Risiken von Glyphosat zu erwarten“. In diesem Bericht sind auch Erkenntnisse aus der IARC-Klassifizierung berücksichtigt worden.

Das BfR befindet sich mit seiner Einschätzung im Einklang mit anderen nationalen und internationalen Bewertungsbehörden. So teilen die Europäische Chemikalien Agentur (ECHA), das Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) der WHO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) aber auch die Zulassungsbehörden in den Mitgliedstaaten der EU sowie den USA, Kanada, Japan und Australien die Bewertung des BfR. Dieser Einschätzung ist auch die EFSA gefolgt und hat der Europäischen Kommission vorgeschlagen, den Wirkstoff Glyphosat auch weiterhin in Pflanzenschutzmitteln zu erlauben.

Interessant ist vor diesem Hintergrund, welche anderen Wirkstoffe von der IARC als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft werden: Neben Glyphosat sind in die Gruppe 2 A eingeordnet: Rotes Fleisch, Rohöl, Ottokraftstoff, Acrylamid (in Chips, Lebkuchen, Pommes Frites), Cobaltchlorid.

Alkohol und Sonnenlicht finden sich sogar in der höchsten Risikokategorie „krebserregend für den Menschen“. Diese Klassifizierungen seitens der IARC werden jedoch selten erwähnt. Aber diese Klassifizierungen gehören zum Gesamtbild dazu.

Ich sehe vor diesem Hintergrund derzeit keinen Grund, an der Expertise des BfR zu zweifeln, oder sich wegen des Einsatzes von Glyphosat in der Landwirtschaft Sorgen um die Gesundheit zu machen.

Eine Meldung des Vereins „Münchner Umweltinstitut“ vom 25. Februar 2016 Spuren von Glyphosat im Bier gefunden zu haben – was angesichts des 40 jährigen Einsatzes des Pflanzenschutzmittels nicht ungewöhnlich ist – mag die Situation verdeutlichen: Rückstände von Stoffen sind in engen Grenzen in Lebensmitteln zugelassen, bei denen absolut sichergestellt ist, dass kein gesundheitlicher Schaden entstehen kann. So müsste ein Verbraucher nach Angaben des BfR etwa 1000 Liter Bier am Tag trinken, bevor überhaupt gesundheitliche Effekte auftreten könnten (nicht müssen).

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